Fakes

Es wird eng in meinem Zimmer…

„Ach, das Bild ist doch ein Fake!“

„Ja genau, alles nur ‚geshoppt‘ (=mit Photoshop bearbeitet)“

„Bilder aus dem Computer, das kann ja jeder!“

Solche Aussagen höre ich immer wieder. Und ja, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es heute kaum noch ein Bild gibt, das nicht in irgendeiner Form nachbearbeitet wurde. Für viele ein verwerflicher Tatbestand. Für andere, wie für mich auch, ein gestalterisches Mittel. Dabei ist es noch nicht einmal die Frage, wie weit die Manipulation geht, sondern vielmehr welchen Zweck sie verfolgt.

Dazu muss man erst einmal feststellen, dass die Bildmanipulation keine Erfindung des digitalen Zeitalters ist, sondern es gibt sie schon so lange Menschen Bilder machen. So stellen ja bereits die steinzeitlichen Höhlenmalereien ein skizziertes Abbild der Realität dar. Die alten Meister haben bei der Darstellung von Adelshäuptern sicher auch auf das ein oder andere Detail wie Hautunreinheiten etc. verzichtet. Und mit der Erfindung der Fotografie, verbrachten die kreativsten Fotografen mehr Zeit mit Abwedeln und -decken bei der Ausbelichtung ihrer Aufnahmen in der Dunkelkammer als hinter dem Fotoaparat. Und selbst hier wurden schon früh Filter vor das Objektiv geschraubt, um bestimmte Effekte zu erzielen, die die Wirklichkeit so nicht hergab.

Sicher kann man es moralisch hinterfragen, ob es in Ordnung ist, wenn Models schlanker gemacht werden oder gar der Kopf eines unehrenhaft entlassenen Mitglieds aus dem Gruppenfoto retuschiert wird. Zumindest hinterläßt es einen faden Beigeschmack. Der Zweck der Manipulation wurde aber aller Wahrscheinlichkeit nach doch erfüllt. Denn bei Bildmanipulation geht es schlicht nicht um eine exakte Darstellung der Realität.

Überhaupt, Realität! Was heißt das eigentlich? Welche Realität? Wessen Realität?

Dazu kann ich nur sagen, dass ich, selbst wenn die Aufnahme an sich bereits ohne weiteres Dazutun gelungen war, noch nie ein Bild gemacht habe, was out-of-the-box dem entsprochen hat, was ich selber mit eigenen Augen gesehen habe. Die Bilder waren stets das Ergebnis des Zusammenspiels von vorhandenem Licht, dem Objektiv, dem Sensorchip (früher Film) und der im Apparat verbauten Software (früher Entwicklungslabor). Also im Grunde genommen erhielt ich immer die Wahrheit meines Fotoapparats. Die war vielleicht sogar sehr nah an der wirklichen Wirklichkeit dran, aber es war eben nie meine Realität, so wie ich sie wahrgenommen habe. Daher halte ich es für legitim mich der zur Verfügung stehenden Mittel zu bedienen und aus der rohen Aufnahme erst ein Bild zu schaffen, das mich anspricht und das ausdrückt, was ich damit ausdrücken möchte.

Rheinlandschaft I
Kein Fake! Wie ich es gesehen habe…
Rheinlandschaft I, 2013

Sicher, Fotografie ist auch nicht gleich Fotografie! Bei der dokumentarischen Fotografie auf der einen und der künstlerischen auf der anderen Seite bewegt man sich durchaus durch verschiedene Welten. Auch ich halte es für kriminell, wenn Manipulation dazu genutzt wird Menschen zu Dingen zu bewegen, für die sie sich sonst nicht erwärmen würden (ein schlankes Model geht mir da aber nicht weit genug, der wegretuschierte Kopf schon eher). Dennoch sei allen Dokumentenschützern zum Trotz gesagt, dass das künstliche Erzeugen von fotografischen (Fast-)Realitäten auch eine Menge Spaß machen kann! Ich denke, einige der Beispiele auf dieser Seite zeugen davon.

Dieses Gespräch hat so nicht stattgefunden!

Die Goldhochzeit meiner Eltern

Mein erstes größeres Projekt zum Thema Bildmanipulation war die Danksagungskarte zur Goldhochzeit meiner Eltern. Nach der Messe in der Kirche sollte an der Stelle wo bereits 50 Jahre vorher das Hochzeitsfoto gemacht worden war, wieder ein Foto aufgenommen werden, wo neben dem Brautpaar auch alle Enkel und deren Cousins und Cousinen abgebildet sein sollten. Bei dem allgemeinen Trubel war es kaum möglich alle Kinder gleichzeitig zu dem Paar zu bekommen und dass sie auch noch fotogen in die Kamera schauten. Außerdem liefen ständig andere Besucher durchs Bild. Und zu guter Letzt zeigten die Aufnahmen bei ansonsten völliger Farbtreue das violett changierende Brautkleid in einem satten Blau.

Aber mit genügend Aufnahmen der Szenerie war es mir möglich, die Momentaufnahme hinzubekommen, die so leider nicht stattgefunden hatte.

In der folgenden Galerie siehst du die einzelnen Bilder beginnend mit der fertigen Karte, gefolgt von dem Ausgangsbild und den Hinweisen auf seine „Mankos“. Im weiteren dann die hinzugenommenen Aufnahmen, aus denen Details entnommen und dem Ausgangsbild hinzugefügt wurden.

Info-Button einschalten!

Apollonia

Sehr viel offensichtlicher wird die Manipulation eines Bildes, wenn Bekanntes miteinander vermischt wird und man sich schon sicher sein kann, dass es das so nicht gibt. Das ist dann der Fall, wenn man ein virtuelles Motiv aus realen Ressourcen erschafft. Wie z.B. die altrömische Büste der modernen jungen Dame Apollonia!

Mit strahlendem Blick

Die Beauty-Industrie bedient sich massenhaft dieser Tricks um den Blick des Betrachters auf sich zu ziehen. Und manchmal weiß man gar nicht, warum man dieses oder jenes Model auf dem Bild so toll findet.

Ich selbst sah einen Grund auf diese Methoden der Bildmanipulation zurückzugreifen, als ich für meine Eltern ein Fotobuch ihrer Enkel zusammenstellte. Etwas mehr Glanz in den Augen der Kinder erweichte die Herzen von Oma und Opa umso mehr!

Zombie-Time

OK, OK, es gibt sicher viele Arten, wie man die Manipulation übertreiben kann! Dies hier ist eine davon!

ACHTUNG! Nur hart gesottene Menschen fahren hier jetzt mit dem Mauscursor über mich! Allen anderen sei geraten zum Menü zurück zu scrollen und eine andere Auswahl zu treffen!

ich
ich auch

(Mir persönlich gefällt das knusprige Ohr am besten!)